
Die Psychologie der Farben - Warum bestimmte Farben ansprechend sind?
Farbe kann unser Wohlbefinden, unsere Gefühle und unsere Lebensfreude beeinflussen. Obwohl die Wertschätzung und Wahrnehmung von Farben natürlich oft von persönlichen Erfahrungen abhängt, gibt es allgemein feststehende Erfahrungsberichte, die zeigen, dass bestimmte Farben stärkere Gefühle und Stimmungen hervorrufen als andere und so Verhalten, Emotionen und mehr beeinflussen.
Trotz Kritik wurde die Farbtheorie über Jahrhunderte von vielen gepriesen, und sie ist eine Wissenschaft, die endlich ernst genommen wird. Farbpsychologie wirkt auf einer unbewussten Ebene; Farbe ist das erste Kriterium, das viele Menschen beim Kunstkauf verwenden, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind.
„Farben, wie Züge, folgen den Veränderungen der Gefühle“ - Pablo Picasso
Farbtheorie in der Geschichte
Der deutsche Dichter, Künstler und Politiker Johann Wolfgang von Goethe war einer der ersten, der die Farbpsychologie in seinem 1810 veröffentlichten Buch „Zur Farbenlehre“ formal erforschte. Obwohl seine Überlegungen von der Mehrheit der Wissenschaftsgemeinde abgelehnt wurden, zeigten viele der klügsten Köpfe aus der Kunstwelt großes Interesse.
Obwohl heute, viele Jahre später, einige von Goethes Schlussfolgerungen nicht mehr Bestand haben, gilt sein Werk als eine reizvolle und aufschlussreiche Erforschung der Farben und ihrer Bedeutung für Künstler und Einzelne. Seine Gedanken zu den durch Farben vermittelten Gefühlen erlauben es dem Leser, ohne Einschränkungen über Farbe nachzudenken; die Verbindungen und philosophischen Ideen zu erforschen, warum wir uns zu bestimmten Farben hingezogen fühlen und warum ein Künstler eine bestimmte Farbpalette wählt. Selbst 200 Jahre später gelingt es ihm, das Intuitive und das Gefühlvolle zu verbinden und ebnet so den Weg für viele der heute verwendeten Studien zur Farbpsychologie.
Die Psychologie hinter Farben wird nicht nur in Kunst und Raumgestaltung, sondern auch in der Wirtschaft weitreichend genutzt; in Werbung und Markenführung weltweit. Die Debatte über den Zusammenhang zwischen Farbe und Gefühl wird von verschiedenen Wissenschaftlern heftig geführt, aber von vielen Künstlern und Gestaltern sehr ernst genommen. Dennoch wächst die wissenschaftliche Forschung zur Farbpsychologie, und vieles deutet auf eine Antwort hin – dass die Wahrnehmung von Farbe tatsächlich unseren Geist und Körper beeinflusst.
Wahrnehmung – Farbe liegt im Auge des Betrachters
Da Farbe nicht greifbar ist, kann sie für jeden von uns unterschiedlich erscheinen, abhängig davon, wie unsere eigenen Augen Lichtstrahlen deuten. Das menschliche Auge besitzt drei verschiedene Farbrezeptoren in Form von Zapfen – jeder dieser Zapfen ist darauf ausgelegt, unterschiedliche Lichtwellenlängen wahrzunehmen: Rot, Grün und Blau. Das macht Kunst sehr persönlich, da sie sich jedem von uns auf einzigartige Weise offenbart.
Außerdem kann die Wahrnehmung auch durch vergangene Erfahrungen beeinflusst werden. Eine Person kann auf einen bestimmten Grünton negativ reagieren, weil er sie an etwas Trauriges aus der Vergangenheit erinnert. Kulturelle Unterschiede können ebenfalls unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.
Im Allgemeinen wird jedoch gesagt, dass bestimmte Farben auf universeller Ebene bestimmte Gefühle oder Bedeutungen hervorrufen. So wird etwa die Farbe Rosa mit Romantik verbunden oder Weiß als rein angesehen.
Warme Farben
Warme Töne wie Rot, Orange und Gelb werden meist genau so beschrieben – sie rufen Wohlgefühl hervor, können aber ebenso, wie feurige Farben, den Blutdruck steigen lassen und Ärger sowie Feindseligkeit wecken.
Rot, das in östlichen Kulturen als Glücksfarbe gilt, wird als besonders wertvolle Farbe für Kunstwerke angesehen; Gemälde mit diesem Farbton erzielen deutlich höhere Preise als solche ohne diesen Farbton. Die Bedeutung dieser Farbe zeigt sich deutlich in den Werken von Piet Mondrian; seine Gemälde mit roten Farbflächen gelten als besonders begehrt.
Als kraftvolle Farbe beschrieben, bemerkte Goethe zu Rot, dass es einen „Eindruck von Ernsthaftigkeit und Würde und zugleich von Anmut und Reiz“ vermittelt.
Beim Gelb scheint die Menge an Grün oder anderen „Verunreinigungen“ die Wahrnehmung stark zu beeinflussen. Goethe weist darauf hin, dass auch die Oberfläche, auf der Gelb erscheint, die Wahrnehmung verändern kann; so kann etwas Sonniges und Fröhliches in einen negativen und „faulen“ Eindruck verwandelt werden.
Orange wird mit Energie verbunden, vielleicht wegen der Assoziation mit der gleichnamigen Frucht; diese spritzige Farbe zieht Aufmerksamkeit auf sich und weckt Gedanken an Lebenskraft. Sie steht auch oft für Bewegung; orangefarbene Herbstblätter symbolisieren den Wechsel der Jahreszeit.
Kühle Farben
Kühle Farben auf der blauen Seite des Spektrums gelten allgemein als beruhigend. Doch wie bei den warmen Farben können auch diese Farben gegensätzliche Gefühle wie Traurigkeit und Gleichgültigkeit hervorrufen. Es ist ein feines Gleichgewicht, auf dem der Künstler wandeln muss.
Grün wird oft mit Neubeginn und Wachstum assoziiert; verbunden mit der Natur als Chlorophyllfarbe von Blättern und Gras. Diese Verbindung zur Natur ruft Gefühle von Ausgeglichenheit und Harmonie hervor. Ebenso kann Blau eine ebenso beruhigende Wirkung haben; mit einer Verbindung zu Himmel und Wasser; es weckt Gedanken an Schweben und Gewichtslosigkeit. Wichtig ist, dass Farbton und Intensität von Blau seine Wirkung stark beeinflussen; während Hellblau erfrischend und freundlich wirkt, kann Dunkelblau stark und verlässlich erscheinen.
Farbpsychologie wirkt über Grenzen hinweg, unabhängig vom Stil des Kunstwerks. Grahame Ménage ist ein Wandmaler, der sich auf Trompe-l’œil spezialisiert hat, und er ist überzeugt, dass die Kraft der Farbtheorie nicht ignoriert werden kann: „Ich entwerfe Wandmalereien sorgfältig und nutze dabei die wirksame Anwendung der Farbpsychologie, um ein Wohlgefühl zu schaffen. Zu diesem Zweck habe ich gerade eine Reihe von Ton-in-Ton-Wandmalereien in New Orleans mit einer Palette aus rauchigem Grau, Grün und Grau fertiggestellt.
„Farbe ist ein mächtiges Kommunikationsmittel: Eine schlechte Wahl und Ihr Bild scheitert, weil die Botschaft falsch oder missverstanden wird.“
Die Bedeutung der Beleuchtung
Beleuchtung kann eine wichtige Rolle dabei spielen, wie wir Farbe wahrnehmen. Der Einsatz von elektrischem Licht kann eine Farbe subtil – und in manchen Fällen dramatisch – verändern im Vergleich zum natürlichen Tageslicht. Dies kann wiederum beeinflussen, wie der Betrachter die Farben im Kunstwerk empfindet.
Farben können auch von der Tageszeit beeinflusst werden, da sich das natürliche Licht im Tagesverlauf ändert und auch die Richtung des Lichts das Farbspektrum beeinflusst. Natürliches Sonnenlicht als reinste Lichtquelle liefert aus spektraler Sicht die reinste Farbe, doch die Töne, die es verleiht, verändern sich im Tagesverlauf.
Die Suche nach Gründen
Trotz einiger Fortschritte in der wissenschaftlichen Erforschung von Farbe gibt es noch viel zu entdecken, um genau zu erklären, warum uns eine bestimmte Farbe anspricht und warum manche Farben im Vergleich zu anderen so starke Reaktionen hervorrufen. Klar ist jedoch, dass Kunst nach wie vor sehr subjektiv und persönlich bleibt, wobei Farben nicht nur auf Wissenschaft und natürliche Verbindungen, sondern auch auf individuelle Sichtweisen wirken.
Fotoquelle: Goethes Farbkreis (Creative Commons)






