
Auf Wiedersehen Shirley Jaffe - Die Malerin flacher Abstraktionen
Die Gemeinschaft der abstrakten Kunst hat diese Woche eine liebenswerte und einfallsreiche Malerin verloren. Shirley Jaffe wurde in New Jersey geboren und studierte Kunst in New York, an der Cooper Union für Wissenschaft und Kunst. Sie verstarb letzten Donnerstag, den 29. September, in Paris, drei Tage vor ihrem 93.ten Geburtstag. Jaffe ist bekannt für ihren einzigartigen Stil großer, farbenfroher, flacher, klar abgegrenzter abstrakter Gemälde. Sie stellte weltweit in Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen aus, und ihre Werke sind in den Dauerausstellungen vieler Museen vertreten.
Ein Leben in Paris
1949 lebte Jaffe in Washington D.C., als ihr Ehemann aus dem Militärdienst entlassen wurde. Ihm wurde im Rahmen des G.I. Bill ein kostenloses Hochschulstudium angeboten, und er entschied sich, es an der Sorbonne zu nutzen. So zogen er und Shirley nach Paris und blieben dort. Shirley wurde von der französischen Kunstszene gefesselt, besuchte Galerieausstellungen und traf Künstler, wo immer sie konnte. Bewegt von der Energie und Emotion der Zeit entwickelte sie einen Stil, der mit dem übereinstimmte, was die abstrakten Expressionisten machten, und malte farbenfrohe, gestische, malerische, gefühlsbetonte Leinwände.
Shirley Jaffe - Segeln, 1985, Öl auf Leinwand
Nach und nach kam sie zu dem Gefühl, dass ihr Stil nicht mehr zu dem passte, was sie ausdrücken wollte. Auf der Suche nach einer neuen Richtung ließ sie sich von den Werken Matisses inspirieren, besonders von seinen abstrakten Ausschnitten. Aufbauend auf der Flächigkeit und den klaren Kanten Matisses fügte Jaffe ihre einzigartige Farbpalette und eine Sprache aus quasi-geometrischen, quasi-organischen Formen hinzu. Im Laufe der Jahrzehnte führte diese Entwicklung zu einer höchst individuellen, üppigen Ästhetik, die sowohl eigentümlich als auch vertraut ist.
Shirley Jaffe - Die schwarze Linie, 1974, Öl auf Leinwand
Eine Außenseiterin
Die vorherrschenden Strömungen ihrer Zeit zu verlassen, war für Jaffe kein Thema, die sich als Amerikanerin in Paris ohnehin ein wenig als Außenseiterin fühlte. Sie stellte fest, dass Strömungen kommen und gehen und Ruhm vergänglich ist. Viel wichtiger war es ihr, ihre Eigenart zu entdecken, ihren Stil in die Zukunft zu führen und frisch zu bleiben. Diese Frische zeigt sich in jeder Phase ihres Schaffens und verleiht ihren Gemälden die Eigenschaft, zugleich zeitlos und zeitgemäß zu sein.
Shirley Jaffe - Ibadon Falls, 1959, Öl auf Leinwand
In einem Interview für das BOMB Magazin im Jahr 2004, in dem sie über die Entwicklung ihres Zugangs zu abstrakten Kompositionen sprach, sagte Jaffe: „Ich interessiere mich für Nicht-Zentralität, Koexistenz, ständige Erfindungsbewegungen, die nicht wiederholend sind, sondern zusammen als Ganzes funktionieren. Es gibt immer ein Element des Nicht-Dazugehörens, das alles in Spannung zusammenhält. Ich will keine lyrische Schönheit. Man könnte sagen, ich möchte eine ungeborene Wirklichkeit einfangen.”
Shirley Jaffe - Der graue Phantom, 2009, Öl auf Leinwand
Leb wohl, Shirley Jaffe. Wir sind dankbar für alles, was du eingefangen hast, für deine Aufrichtigkeit, deine Leidenschaft und deine schönen Werke. Du wirst uns fehlen.
Titelbild: Shirley Jaffe - Die erste Diagonale, 1973, Öl auf Leinwand
Von Phillip Barcio






